Osteoporose und Muskulatur

Expertenmeinung

Prof. Dr. Dr. Dieter Gebauer war einer der ersten in Deutschland, der dieser neuen Therapie mit den sanften Vibrationsimpulsen den Weg bereitete. Er war über ein Jahrzehnt Chefarzt der Orthopädischen Klinik Tegernsee, einer Schwerpunktklinik für die Rehabilitation aller Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates und er widmete sich vorrangig neuen Behandlungsmöglichkeiten im Bereich Osteoporose und Muskelschwäche.

Prof. Dr. Dr. Dieter Gebauer

© Prof. Dieter Gebauer privat   

In einem Gespräch erläutert der Orthopäde, warum Liv-Vibrationstraining (Low intensity vibration) bei Osteoporose so hilfreich ist, was bei Entstehung, Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose eine entscheidende Rolle spielt und welche Zusammenhänge zwischen Knochen und Muskulatur beachtenswert sind. Und auch welche physiotherapeutischen Möglichkeiten bei einer altersbedingten Muskelschwäche und nachlassender Leistungsfähigkeit der Muskulatur (Sarkopenie) bestehen. Prof. Gebauer war ein wichtiger Ratgeber bei der Beurteilung der Osteoporose-Therapie, da er sowohl eine medizinische Ausbildung wie auch ein Ingenieur-Studium mit Promotion abgeschlossen hat und somit ein kompetenter Gesprächspartner im Bereich Biomechanik ist. Er kann die Wirkung von Kräften im Rahmen eines Vibrationstrainings auf Muskulatur und Knochen nicht nur aufgrund seiner ärztlichen Tätigkeit erklären, er kann auch physikalischen Grundlagen dieser biomechanischen Therapie beurteilen.

Knochen und Bewegung – was hat das miteinander zu tun?

Als Facharzt für Orthopädie und als promovierter Maschinenbau-Ingenieur ist für mich das Thema Knochen und Bewegung schon seit über 30 Jahren interessant: Der enge Kontakt zwischen Medizin, Orthopädie und Technik war es, der mich zwangsläufig auch zur Mechanik des Bewegungsapparates, also dem Zusammenspiel von Muskulatur und Knochen sowie den auftretenden physikalischen Kräften, geführt hat.

Die Gesundheit oder Krankheit des Knochens wird in einem Grundgesetz der Orthopädie, dem Wolff'schen Transformationsgesetz, auf den Punkt gebracht: "Die Form folgt der Belastung." Die zentrale Aussage hierbei ist, dass sich der Knochen entsprechend der an ihn gestellten Anforderungen verhält. Wird der Knochen belastet, baut er sich auf, wird der Knochen nicht belastet, baut er sich ab. Und dies gilt für Alt und Jung, das ist ein Grundsatz. Die Bewegungen und Belastungen, also die mechanischen Kräfte, denen wir ausgesetzt sind oder denen wir uns aktiv aussetzen, haben einen direkten Einfluss auf die Stabilität und Qualität unserer Knochen.

Wenn die Form des Knochens und somit auch seine Stabilität trainiert werden kann, wie geht man vor? Oder: Wie kann Vibrationstraining helfen?

Die Vibrationstherapie ist eine Trainingsmethode, bei der die übende Person auf einer vibrierenden Platte steht, über diese Platte wird der Körper mehr oder minder starken und vor allem sehr vielen Bewegungen ausgesetzt. Der Körper wird künstlich bewegt und reagiert darauf. Diese Schwingungen, oft sind es einige Tausend in wenigen Minuten (!), wirken anregend auf Knochen und Muskulatur, unterstützen den Stoffwechsel und trainieren das Herz-Kreislauf-System. Die Behandlung wird aber nicht nur medizinisch-therapeutisch eingesetzt, sondern auch gerne als Training in Fitness-Centern. Für den unterschiedlichen medizinisch sinnvollen Einsatz spielen die Wirkung verschiedener Techniken und – vor allem – die auf den Körper aufgreifenden Kräfte eine entscheidende Rolle. Hier muss man differenzieren.

Bei welchen Indikationen bietet sich Training an?

Das Feld ist sehr breit. Lassen Sie mich die Grundidee formulieren und die Brücke zur Osteoporose schlagen: Bei älteren Menschen sind aufgrund einer ganz normalen geringeren körperlichen Leistungsfähigkeit, eventuell bestehender gesundheitlicher Einschränkungen oder auch einer Osteoporose-bedingten verminderten Belastbarkeit des Skeletts weniger Kraftimpulse auf den Knochen und die umgebende Muskulatur gegeben. Eines der zentralen Probleme der Älteren ist, dass die Muskulatur und die Muskelfasern abgebaut werden, genauer: die Typ IIA-Muskelfasern. Eine mangelnde Stabilität beim Stehen oder Gehen ist die Folge, was die Menschen unsicher macht und sie in ihrer Bewegung einschränkt.

Dann die Osteoporose: Eine der häufigsten und gefährlichsten Erkrankungen im Alter – eine sich langsam und schleichend entwickelnde Erkrankung des Knochens, die ihn für Brüche anfälliger macht. Die auch Knochenschwund genannte Krankheit ist gekennzeichnet durch eine geringe Knochenmasse und den übermäßig raschen Abbau der Knochensubstanz und -struktur. Damit geht eine hohe Frakturanfälligkeit einher. Osteoporose wird auch durch mangelnde Bewegung und Belastung begünstigt, d.h. andere Krankheitsbilder mit Bewegungseinschränkung oder Schmerzen bilden eine gefährliche Basis für die Osteoporose.

Oder bedenken wir das Thema Schmerz: Wer Schmerzen hat, bewegt sich meist weniger – und weniger Bewegung heißt auf Dauer vermehrter Muskel- und Knochenabbau. Hier gibt es z.B. Parkinson, Multiple Sklerose, Rheuma, Fibromyalgie usw. – alles Krankheiten mit teilweise starken Schmerzen oder anhaltenden Beeinträchtigungen der körperlichen Leistungs- und Bewegungsfähigkeit.

Wenn jemand ein Muskeldefizit hat oder die Grundmuskulatur nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht, dann kann man mittels der Vibrationstraining Belastungsimpulse auf Knochen und Muskulatur setzen und wieder eine bessere Ausgangsbasis schaffen. Und das gilt nicht nur im Reha-Bereich für Kranke, das gilt auch für sportlich Aktive und grundsätzlich für Menschen ab der Lebensmitte, da sich ab diesem Zeitpunkt der Knochen langsam aber deutlich abbaut.

Die Behandlung hat mittlerweile eine große Bedeutung erlangt: Die Vorteile bestehen darin, dass man auf organisatorisch einfache und ungefährliche Art und Weise Kräfte in den Bewegungsapparat einbringen kann, die für seinen Schutz sorgen und die Knochen und Muskulatur aufbauen. Ungefährlich und einfach, das sind die Hauptvorteile.

Wenn Sie sagen, mit einer Vibrationstherapie kann man ungefährlich und einfach Knochen und Muskulatur aufbauen - gilt das dann für alle Geräte? Auch bei Osteoporose?

Nein, nicht grundsätzlich. Man kann auch Schäden anrichten, wenn man zu intensive Kräfte in den Körper, vor allem in den Knochen, einleitet. Wir haben mehrere Geräte und Plattformen analysiert - man muss die physikalischen Bedingungen, wie Frequenz, Amplitude und Beschleunigung, nebeneinander stellen, um einen Überblick zu bekommen, und man muss vor allem die durchgeführten Studien lesen. So ist zu unterscheiden zwischen Geräten mit starken Impulsen, die oft in Fitness-Centern zum Muskelaufbau dienen sollen, und anderen Geräten mit sanften Impulsen, die im Bereich Bewegungseinschränkung, Schmerz, Osteoporose besser geeignet sind.

In diesem Rahmen ist der Kontakt mit einer neuen, in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Weltraumbehörde NASA entwickelten, Therapieform zustande gekommen (Anmerkung: Low intensity vibration). Wir haben zunächst einmal die Technik analysiert und dann die Therapie versuchsweise in unserer Klinik (Anmerkung: Orthopädische Klinik Tegernsee) eingeführt. Der Erfolg ist vielversprechend, wir haben die Behandlung in einem relativ breiten Spektrum im Vergleich getestet und erkennen ein zunehmend größeres Einsatzgebiet. Der wesentliche Nutzen dieser Therapie dürfte über den Aufbau der Grundmuskulatur in der Bekämpfung der Osteoporose liegen und in der Vorbeugung dagegen. Diese Behandlung bietet auch die Chance, dass die Vitalkräfte mobilisiert werden.

Starke Impulse der Vibration auf der einen, sanfte Impulse auf der anderen Seite. Worin genau bestehen die Unterschiede zwischen den Geräten?

Die Liv-Therapie-Plattform hat geringe Beschleunigungswerte und eine hohe Frequenz. Die vertikale Schwingung ist sanft und verträglich, weil sie nur eine Haaresbreite rauf und runter geht. Das liegt an einer neuartigen Technik.

Ein anderes Gerät, "Galileo", hingegen arbeitet mit einer Art Wipp-Bewegung, die problematisch für den älteren Menschen sein kann. Die Beschleunigungen und damit auch die Belastungen, die hier auftreten können, sind deutlich aggressiver und mit einem höheren Risiko verbunden. Auch Geräte wie "Fitvibe" oder "Power Plate", die mit höheren Beschleunigungswerten bzw. Bewegungsausschlägen arbeiten, haben wir in die Untersuchung mit einbezogen. Sie haben ihren Platz im sportlichen Fitness- und Trainingsbereich, hier können – bitte nur unter therapeutischer Anleitung – gute Erfolge beim Muskelaufbau erzielt werden.

Die wesentlichen Unterschiede sind meist technisch bedingt, die Bauart hat somit einen Einfluss auf die therapeutisch sinnvollen Einsatzbereiche: Geräte mit starken, aggressiven Impulsen sehen wir eher für jüngere, gesunde, sportliche Menschen – Geräte mit sanften Impulsen eignen sich eher für ältere Menschen und solche mit schwächeren Knochen.

Ein weiterer physiologischer Effekt ist in der Frequenz zu beobachten, also wie oft sich die Platte pro Sekunde hebt und senkt. Frequenzen unterhalb von rund 20-25 Hz können unerwünschte Eigenschwingungen des Körpers anregen - zum Beispiel die des Auges, der Wirbelsäule oder des Magen-Darm-Bereiches. Erkennen kann man diese Resonanzen auch an den Empfindungen während der Behandlung, wenn bei der Ausübung Unsicherheit oder Unwohlsein auftritt. Frequenzen oberhalb von rund 20-25 Hz, wie bei der Liv-Therapie-Plattform, erzeugen diese Eigenresonanzen nicht.

Also sind die feinen Schwingungen auch die verträglicheren?

Ja, die feinen Schwingungen haben den Vorteil, dass sie sehr gute physikalische Bedingungen bieten, die knochen- und muskelbildende Effekte ermöglichen. Es sind Schwingungen mit hoher Frequenz und kleiner Amplitude und das kann der Körper gut verkraften. Ungefährlich und einfach, das sind die Hauptvorteile. Und das konnten wir nur bei dem Low-intensity-vibration-Gerät beobachten.

Für wen ist diese Therapie geeignet?

Besonders Frauen, denen die Menopause bevorsteht, sollten hier so früh wie möglich anfangen zu trainieren, sollten Vibration als Vorsorge einsetzen, um etwas gegen drohenden Knochenverlust zu tun. Das Training von Knochen und Muskulatur macht schon in weit jüngerem Alter als mit 50 Sinn – die richtige und sanfte Vibration ist ein hilfreiches Instrument für jeden, egal wie alt er ist. Denn wenn ich mich ein Jahr zu früh drauf stelle, macht es keinen Schaden. Es gilt: So früh wie möglich...

So früh wie möglich?

Auch für Kinder ist diese Therapie geeignet, wenn festgestellt wurde, dass das Kind zu geringe Knochenqualität hat. Hierzu gibt es eine gute Studie, die zeigt, dass durch eine solche Behandlung bei Kindern der Knochenschwund aufgefangen werden konnte - man kann auch unter schwierigen Bedingungen mit den feinen Schwingungen einen guten Effekt erzielen.

Gibt es eine Altersgrenze?

Die sanften Impulse sprechen für eine Nutzungsmöglichkeit bis ins hohe Alter. Für die Therapie liegt eine klinische, randomisierte, Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie mit postmenopausalen Frauen vor, in der ein Knochenaufbau mittels dieser speziellen Vibrationstherapie beschrieben wird.

Wo sehen Sie weitere Anwendungsmöglichkeiten?

Muskelschwund und Bewegungsmangel sind ein oft unbeachtetes und unerkanntes Grundproblem für viele Leute, nicht nur für ältere Menschen. Durch die Vibrationstherapie wird die komplette Muskulatur aktiviert, mögliche Probleme minimiert und dadurch ein Risiko reduziert. Viele Erkrankungen und potenzielle Risiken werden positiv beeinflusst – besonders solche, die mit Muskelschwäche und Bewegungseinschränkung verbunden sind. Lassen sie mich einige Beispiele anführen, die auch den Bezug zur Geriatrie und Multimorbidität aufzeigen – dabei geht es nicht nur um die direkten Wirkungen, wie auf den Knochen, sondern häufig auch um die indirekten Wirkungen:

Sturz-Prophylaxe – mittels der Vibrationstherapie stärken Sie nachweislich die Gang- und Standsicherheit, was wiederum, zusammen mit der gesteigerten Muskelkraft, das Risiko von Stürzen reduziert. Das Vibrationstraining beugt somit möglichen Knochenbrüchen vor. Sturz-Prophylaxe ist einer der ganz entscheidenden vorbeugenden Faktoren in der Osteoporose-Therapie. Einfach gesagt: Wer nicht stürzt, bricht sich nichts.

Herz-Kreislauf-Training – über den Aufbau der Typ IIA-Muskelfasern ist man in der Lage, sein "zweites Herz" in den Waden zu unterstützen: Im Zusammenhang mit der Durchblutung und mit Herzerkrankungen gibt es zahlreiche Probleme, z.B. den orthostatischen Schwindel. Also wenn ich aufstehe und der Blutdruck absackt, ist oft die Gefahr des Schwindels gegeben, somit auch hier die Gefahr des Sturzes. Dieser Blutdruckabfall wird verringert, weil auch die Gefäßmuskulatur angeregt wird und so Unterstützung für die Blutrückfuhr zum Herzen begünstigt wird. Dieses "second heart" wird in der Medizin noch viel zu wenig beachtet.

Schmerztherapie – eine gesteigerte Durchblutung sorgt auch für mehr Sauerstoff im Blut, gerade die Schmerzrezeptoren sind gegenüber einer Unterversorgung empfindlich. Und Vibrationstherapie steigert auch bei denen die Durchblutung, die sich sonst zu wenig bewegen. Mit den feinen Schwingungen habe ich die Möglichkeit über die Förderung der Durchblutung etwas gegen Schmerzen zu tun.

Lymphödeme – auch trägt die Unterstützung der Gefäßmuskulatur zum Abbau von Lymphödemen bei, weiter werden Lymphfluss und Stoffwechsel angeregt.

Bekommt man durch Gymnastik oder Sport ausreichend Impulse für den Knochenaufbau?

Bewegung und Sport sind ein Muss für die Gesundheit. Es bedarf aber für den Knochenaufbau eines bestimmten Mindestmaßes an Reiz, um Effekt zu haben – da ist die Stoßbelastung dasjenige, was der Körper braucht. Es ist nicht sinnvoll, in diesem Zusammenhang die Ausdauerbelastung anzustreben, das hat zu wenig Reiz für den Knochen. Frage ist, wie ausgeprägt die Gymnastik ist, beispielsweise erscheint Aerobic mit seinen hohen Kraftspitzen gut geeignet - dort treten Kräfte auf, die die Stimuli für den Knochenaufbau bilden. Nun ist Aerobic mit den intensiven Bewegungen nicht unbedingt eine Sportart der Älteren...

Der Vorteil der Vibration ist, dass man in relativ kurzer Zeit positive Effekte erzielen kann. Um den gleichen Erfolg mit Gymnastik zu erlangen, müsste man sich viel länger und aufwändiger betätigen. Vibrationstherapie ist eine sehr ökonomische Art, Knochen und Muskulatur aufzubauen oder die entsprechende Grundlage zu festigen. Und eine sportliche Betätigung ist bei älteren Menschen meist aufgrund bestehender gesundheitlicher Einschränkungen nicht oder nicht ausreichend gegeben – und genau hier setzt die Vibrationstherapie an. Eigentlich sollte sich der Mensch rund 2-3 Stunden pro Woche sportlich betätigen. Und das kann man mit Vibration ersetzen oder ergänzen...

Wenn Stoßbelastung das ist was Knochen brauchen, kann dann die Liv-Therapie bei Osteoporose helfen?

Osteoporose ist laut Welt-Gesundheits-Organisation die am meisten unterschätze und vernachlässigte Gesundheitsstörung unserer Zeit. Die Therapie mit einer Liv-Vibrationsplattform kann den altersbedingten Knochenabbau abfangen. Die Stimulation der Muskulatur bedeutet Zug am Knochen und damit Aufbau des Knochens ... Ich kann diese Therapie nur empfehlen, auch aus eigener Erfahrung.


© Medical Vibration, Autorisiert Prof. Dr. Dr. Dieter Gebauer

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